Ernährung der Zukunft in Theorie und Praxis

Veranstaltung: "Gutes Essen für alle?" - Blick auf das Podium

Wissenschaftskommunikation funktioniert dann am besten, wenn Theorie und Praxis zusammenspielen. Es gibt Veranstaltungen, die diese Kombination optimal umsetzen. Eine solche Veranstaltung hat jetzt an der Universität Vechta stattgefunden. Sie stand unter der Schirmherrschaft des niedersächsischen Wissenschaftsministers Björn Thümler. In seinem Eröffnungsstatements sagte der Minister: „Wissenschaft muss kommuniziert werden, damit die Bevölkerung weiß, wofür die Steuermittel ausgegeben werden.“ Und zum Thema Nachhaltigkeit forderte er auf, dieses Thema stärker zu leben. Was dafür bereits getan wird und was dafür noch zu tun ist: Davon konnten sich die Gäste der Veranstaltung ein eigenes Bild machen – in Theorie und Praxis.

Produktion und Konsum von Lebensmittel in Vechta im Fokus

Der Blick in den gefüllten Hörsaal der Uni Vechta.

Die Veranstaltung in Vechta gehört zur Reihe „Forschung made in Niedersachsen“. Sie befasst sich mit verschiedenen aktuellen Forschungsthemen. Dabei ist immer eine andere Hochschule Gastgeber. Es geht zum Beispiel um den Wolf oder auch um antibiotikaresistente Keime. In Vechta haben sich die Organisatorinnen und Organisatoren mit der Frage beschäftigt, wie die Ernährung der Zukunft aussehen kann.

Die Vorträge und Präsentationen beleuchteten das Thema Ernährung aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven. Dabei wurden auch die Herausforderungen der Produktion und des Konsums von Lebensmitteln thematisiert. Zu diesen Herausforderungen gehört beispielsweise auch die Versorgung einer weltweit wachsenden Bevölkerung mit ausreichend gesunden und vielfältigen Nahrungsmitteln.

„Herausforderungen sind von Menschen zu bewältigen“

Dass die Landtechnik dabei eine wichtige Rolle bei der Bewältigung spielt machte Professor Arno Ruckelshausen von der Hochschule Osnabrück, Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik, deutlich. Er sagte: „Die Probleme der Ernährung müssen von den Menschen gelöst werden. Die Technik ist dabei ein phantastisches Hilfsmittel.“ In diesem Zusammenhang zeigte er, welches Potential kleine automatisierte Feldroboter im Pflanzenbau haben können. Die XXS-Roboter seien rund um die Uhr einsetzbar und erledigten ihre Aufgaben zuverlässig. Die nachhaltige Transformation müsse Ökologie und Ökonomie gleichermaßen berücksichtigen, so Ruckelshausen.

Den zweiten Impulsvortrag hielt Dr. Peter Holl. Er ist tätig für das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) und das Europäische Institut für Innovation und Technologie (EIT). Er sagte: „So wie das globale Ernährungssystem heute ist, kann es nicht bleiben.“ Dabei wies er auf die Bedeutung von Innovationen für den anstehenden Wandel hin: Neue Konzepte und Geschäftsmodelle seien notwendig, um die Transformation des Sektors voranzutreiben. Die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft sei dabei genauso von Bedeutung wie die Schaffung neuer Studiengänge. Dass Nachhaltigkeit auch ein Treiber für Innovation ist, war auch schon Thema hier im Blog.

Auch soziale Innvationen für nachhaltige Transformation wichtig

Dass das Thema Ernährung nicht nur technologisch betrachtet werden kann, sondern auch starke gesellschafts- und kulturwissenschaftliche Gesichtspunkte hat, zeigten die Professorin für Makrosoziologie und Sozialstrukturanalyse an der Universität Hannover, Eva Barlösius und der Vechtaer Professor für Wirtschaft und Ethik, Nick Lin-Hi. Soziale Innovationen seien daher ebenso wichtig für den nachhaltigen Wabdel, bzw. die nachhaltige Transformation wie technologische.

Umfragen zeigen wiederholt, dass die Menschen im Land den Themen Tierwohl oder nachhaltigem Konsum durchaus wohlwollend gegenüberstehen. Dieses Wohlwollen, zeige sich aber nicht in einer höheren Zahlungsbereitschaft, so Nick Lin-Hi. Anlässe wie der Black Friday oder der Cyber Monday machen anschaulich, wie sehr die Menschen auf Schnäppchen und niedirge Preise reagieren. Der Fachbegriff für die Lücke zwischen dem, was die Menschen sagen und dem, was sie tatsächlich tun, nennt man „Attitude-Behaviour-Gap“. Um diese Lücke zu schließen, brauchen die Menschen oft nur kleine Anschubser oder Denkanstöße, sogenannte „Nudges. Diese Nudges seien nachhaltiger und sinnvoller als Verbote, so Lin-Hi.

Eine andere Perspektive nahm Eva Barlösius ein. Sie sagte: Viele moralische Regeln und Verhaltensweisen, wie das Teilen, seien aus dem gemeinsamen Essen entstanden. Daher seien Diskussionen über das Essen auch immer mit einer moralischen Wertung verknüpft. Das führe dazu, dass diese Diskussionen mit großer Heftigkeit geführt würden und sogar politische Krisen verursachen könnten. Etwas das bei Bankenkrise und Dieselskandal nicht unbedingt der Fall war.

Meine Highlights: Insektenburger und Fleischersatz aus Erbsen

Im Anschluss an die Vorträge und die Podiumsdiskussion, waren die Gäste eingeladen, Lebensmittelinnovationen und Spezialitäten von Unternehmen aus der Region zu kosten. Im Mittelpunkt des Food Courts in Vechta standen unter anderem alternative Proteine und Fleischersatzprodukte.

Was vielleicht jetzt noch Zunftsmusik ist, wird vielleicht bald schon normal sein. Burger mit einer Einlage aus Insekten oder aus Pflanzeneiweiß. Beide Burger wurden angeboten und beide Burger habe ich probiert. Mein Eindruck: Die Insektenburger sind gewöhnungsbedürftig. Aber keinesfalls eklig. Ganz im Gegenteil: Der Geschmack ist einwandfrei. Die Produkte des Anbieters (Bugfoundation) sind bereits im Handel erhältlich.

Noch nicht im Handel ist der „Beyond Meat Burger“. Hier ist die Einlage vegetarisch und auf der Basis von Erbseneiweiß hergestellt. Mein Eindruck hier: Geschmack und Konsistenz einwandfrei. Für mich eine echte Alternative zum Burger-Patty aus Rindfleisch.

Die Bilder in der Galerie (externer Link) der Universität Vechta geben weitere Eindrücke aus dem Food Court.

Fazit

Die Veranstaltung in Vechta hat gezeigt: Wissenschaftliche Erkenntnis und Innovationen können dazu beitragen, das Ernährungssystem nachhaltiger zu machen. Aber weder Wissenschaft noch Wirtschaft allein können die Herausforderungen einer nachhaltigen Transformation bewältigen. Politik und Gesellschaft sind ebenfalls in der Verantwortung. Der Kommunikation zwischen den Gruppen und der Wissenschaftskommunikation kommen dabei wichtige Aufgaben zu. Mit Veranstaltungen wie „Forschung made in Niedersachsen“ kann man notwendige Dialoge anstoßen. Um so besser, wenn Theorie und Praxis dabei so eng zusammenspielen.

Wie seht ihr das? Wie sehen Sie das? Muss Wissenschaft mehr kommunizieren? Über Anregungen und Kommentare freue ich mich.

Christian H. Meyer
Ich bin Christian H. Meyer. Hier im Blog schreibe ich über Themen und Ideen aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Coaching und Forschung. Und außerdem über das, was mich sonst noch interessiert. Wenn Ihnen dieser Beitrag gefällt, zögern Sie nicht, ihn zu teilen oder zu kommentieren. Fragen dazu beantworte ich gerne.

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