IFAMA 2016: Zusammenarbeit für mehr Nachhaltigkeit und Innovationen stärken

IFAMA 2016 World Conference, Aarhus, Denmark

In der Zeit vom 19.06. bis 23.06.2016 fand in Aarhus, Dänemark, der 26. Weltkongress der International Food and Agribusiness Management Association (IFAMA 2016) statt. Unter dem Motto „Menschen, Klima und Big Data – Werde die Lösung – Nahrungssicherung 2050“ trafen sich rund 450Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Unternehmensvertreterinnen und – vertreter aus aller Welt, um aktuelle Trends in der Agrarforschung und richtungsweisende Innovationen zu diskutieren. Im Mittelpunkt der IFAMA 2016 stand die Frage, wie Lebensmittel nachhaltig produziert werden können, um die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung stabil zu sichern. Ich durfte dort einen Vortrag halten. Hier mein Bericht.

Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen

"Fortschritte in CSR brauchen Innovationen" - Margrethe Jonkmann (FrieslandCampina) auf der IFAMA 2016
„Fortschritte in CSR brauchen Innovationen“ – Margrethe Jonkmann (FrieslandCampina) auf der IFAMA 2016

„Fortschritt in Corporate Social Responsibility (CSR) macht man nur, wenn man Innovationen hervorbringt.“ Das sagte die Direktorin für Forschung- und Entwicklung der niederländischen Molkerei-Genossenschaft FrieslandCampina, Margrethe Jonkmann, während der offiziellen Konferenzeröffnung. Die Menschen erwarteten heute von den Unternehmen, ihren Teil der Verantwortung für die gesellschaftlichen Herausforderungen zu übernehmen. Unternehmen, die auf diesen Druck nicht reagierten, drohe der Verlust der Handlungsfähigkeit. Jonkmann betonte, dass die Innovationskraft eines Unternehmens dabei eine wichtige Rolle spiele. Der Milch-Konzern setze deshalb verstärkt auch auf die Zusammenarbeit mit externen Unternehmen und Einrichtungen.

Unter dem Ansatz der Open-Innovation profitiere das Unternehmen so von internen und externen Kenntnissen und Fähigkeiten für die Entwicklung neuer Produkte, Verfahren und Technologien. Nicht nur auf der Stufe der Milchverarbeitung, sondern auch auf der Stufe Landwirtschaft, wo Innovationen viel bewirken können: Denn rund 90 Prozent des CO2-Fußabdrucks entfielen bislang auf die Betriebe der Milcherzeuger. Regenerative Energiequellen könnten daher künftig eine größere Rolle in der Wertschöpfungskette Milch spielen.

Die Lücke zwischen Wissenschaft und Praxis schließen

"Die Brücke zwischen Forschung und Praxis schließen" - Agrarkommissar Phil Hogan auf der IFAMA 2016
„Die Brücke zwischen Forschung und Praxis schließen“ – Agrarkommissar Phil Hogan auf der IFAMA 2016

Die nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft müsse vorangetrieben werden. Allerdings bestimme der Verbraucher die Entwicklungsrichtung für die notwendigen Innovationen, machte EU-Kommissar für Landwirtschat und regionale Entwicklung, Phil Hogan, deutlich. Er betonte in seiner Ansprache auf der IFAMA 2016 die große Bedeutung von Wissenschaft und Wirtschaft für die Ernährungssicherung. Die Lücke zwischen Forschung und Praxis müsse allerdings kleiner werden, um erfolgreich zu sein. Die Welt könne es sich nicht länger leisten, 30 Prozent der Lebensmittel als Lebensmittelabfälle („Food Waste“) zu verlieren.

Die Förderung von Forschungskooperationen und der Praxistransfer von Forschungsergebnissen seien daher wichtige Ziele der europäischen Forschungsförderung. Als Beispiel hob Hogan die Europäische Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ (EIP-Agri) hervor.

Der Agrarkommissar wagte die Prognose, dass die Digitalisierung der Landwirtschaft noch großes Potential beinhalte. „Smart Digital Agriculture“ sei eines der neuen Schlagworte. Aber auch die Bioökonomie, also die Nutzung von Pflanzen oder Mikroorganismen für neue Produkte, würde Möglichkeiten über die Lebensmittelproduktion hinaus für die Agrar- und Ernährungswirtschaft eröffnen.

Zusammenarbeit vertiefen

„Unsicherheit ist das neue Normal“, sagte der Präsident des Verwaltungsrates der Carlsberg Stiftung Flemming Besenbacher. Die gesellschaftlichen Herausforderungen wie die sichere Versorgung mit sauberen Wasser, gesunden und ausreichenden Lebensmitteln sowie Energie setzten ein Umdenken voraus. Sowohl die Wissenschaft, als auch Wirtschaft und Gesellschaft müssten sich bewegen. Und wie Phil Hogan zuvor, forderte auch Besenbacher, die Lücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu schließen. Diese bezeichnete er als „Tal des Todes“.

Das Aufgabe für die Unternehmen der der kommenden Jahrzehnte brachte Besenbacher auf den Nenner: „Wir müssen mehr mit weniger produzieren auf nachhaltige Weise“. Um dieses Ziel zu erreichen, sei mehr Geld für die Agrarforschung notwendig. Gleichzeitig müsse das Management auf den landwirtschaftlichen Betrieben noch weiter verbessert werden. Für die Innovationsfähigkeit sei Talent zukünftig entscheidender als Kapital, hieß es in der Diskussion. Vor diesem Hintergrund beschrieb Besenbacher eine unternehmerische Universität („entrepreneurial university“), die forsche, ausbilde und den Wissenstransfer in die Praxis gewährleiste.

Kommunikation für den Wandel wichtig

Aber nicht nur die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft stand im Blickpunkt der IFAMA 2016. Auch die Zusammenarbeit in Regionen, Städten und Gemeinden bildete einen Punkt auf der Tagesordnung. Hier zeigte sich, dass sich die Erkenntnis mehr und mehr durchsetzt, dass der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel nur gelingen kann, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Damit alle in die gleiche Richtung ziehen, ist Kommunikation ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Wandels, so die einhellige Einschätzung.

Das Beispiel des Food Clusters Rotterdam zeigte deutlich, wie wichtig Netzwerkkoordinatoren dabei sind. Sie begleiten den Prozess und organisieren ihn. Eine moderierte Kommunikation zwischen den Anspruchsgruppen könne Konflikten vorbeugen und ermögliche es, gemeinsame Ziele zu stecken und zu erreichen.

Big Data – Potential noch nicht ausgeschöpft

Die digitale Erfassung von Daten in den Unternehmen hat sich in den letzten Jahren immer mehr verbreitet. Und auch das Internet wird in Zeiten von Google, Twitter und Facebook eine immer reichere Datenquelle. Von entsprechenden Anwendungen, die diese Daten nutzen, kann die Agrar- und Ernährungswirtschaft profitieren.

Trotzdem, und auch das wurde in vielen Diskussionsrunden und Vorträgen der IFAMA 2016 deutlich: Die Nutzung der Daten bleibt noch hinter dem Potential zurück. Die Skepsis rund um Datenschutz und die Frage, wem die Daten gehörten, bestimmten noch sehr die Entwicklung von vielversprechenden Lösungen.

Deutlich wurde aber auch: Big Data bleibt ein Thema, das die Agrar- und Ernährungswirtschaft in den nächsten Jahren weiter beschäftigen wird. Die Chancen für Start-ups in diesem Bereich stünden gut, so die Meinung vieler Konferenzbesucher. Stark schwankende Agrarpreise und notwendige Effizienzsteigerungen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft begünstigten die Entwicklung. Unternehmen, die Big Data Anwendungen erfolgreich anbieten wollten, bräuchten allerdings gute Argumente für den Mehrwert und einen ausgeprägten Unternehmergeist.

IFAMA 2016: „Dinner with Danes“

Auch das Rahmenprogramm der IFAMA 2016 war gut vorbereitet: Eine besondere Überraschung für die Konferenzteilnehmenden gab es bereits am zweiten Abend: 85 dänische Familien öffnetet ihre Häuser und Wohnungen und luden jeweils bis zu drei Personen zu einem Abendessen ein. Das sogenannte „Dinner with Danes“ war eine wunderbare multinationale und kulinarische Erfahrung. Und sicherlich eine tolle Innovation für kommende Konferenzen!

Mein Fazit: Die IFAMA 2016 war für mich eine spannende und gut organisierte Konferenz. Den Organisatorinnen und Organisatoren, unserer Gastfamilie und allen Beteiligten ein ganz herzliches Dankeschön dafür.

Die nächste IFAMA findet statt in:

Christian H. Meyer
Ich bin Christian H. Meyer. Hier im Blog schreibe ich über Themen und Ideen aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Coaching und Forschung. Und außerdem über das, was mich sonst noch interessiert. Wenn Ihnen dieser Beitrag gefällt, zögern Sie nicht, ihn zu teilen oder zu kommentieren. Fragen dazu beantworte ich gerne.

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