Kölner Ernährungsrat wirbt für regionales Essen

(Quelle: Ernährungsrat Köln, Foto: Monika Ewa Kluz)
Offizieller Auftakt
(Quelle: Ernährungsrat Köln, Monika Ewa Kluz)

Die Food-Bewegung in Deutschland ist um eine Innovation reicher: Als erste Stadt in Deutschland hat Köln jetzt einen offiziellen Ernährungsrat (engl. auch: „Food Policy Council“). Die Gründungsveranstaltung fand am 07.03.2016 statt. Initiiert wurde der Rat vom Verein „Taste of Heimat“, der sich deutschlandweit für eine regionale, nachhaltigere Lebensmittelversorgung einsetzt. Zu den 30 Mitgliedern des Ernährungsrates gehören Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Gastronomie, Lebensmittelproduktion, Politik und Verwaltung sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger.

Bereits im Vorfeld der Gründung war das Interesse am Rat groß. Entsprechend der Rahmen: An der Gründungsveranstaltung im Historischen Rathaus in Köln nahmen Nordrhein-Westfalens Umwelt- und Verbraucherschutzminister Johannes Remmel, Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und mehr als 200 Gäste teil. In seiner Ansprache stellte der Minister die Wichtigkeit eines solchen Gremiums für die Stadtbevölkerung, aber auch die Landwirte und Erzeuger aus dem Umland heraus.

Ausschussarbeit im Kölner Ernährungsrat

Die Ziel eines Ernährungsrates sind vielfältig und abhängig von regionalen Anforderungen und Gegebenheiten. Im Wesentlichen soll er jedoch dazu beitragen, die urbanen Agar- und Ernährungssysteme nachhaltiger und regionaler zu gestalten. Mit den damit verbundenen Herausforderungen beschäftigen sich im Kölner Ernährungsrat vier Ausschüsse.

Im Ausschuss Regionale Direktvermarktung beraten die Mitglieder beispielsweise darüber wie Lebensmittel in der Region zukünftig produziert und verkauft werden sollen. Eine Frage lautet, wie die Produzierenden mit den Konsumierenden besser in Kontakt treten können.

Wie Flächen für den Anbau von Lebensmitteln in der Stadt gesichert werden können, beschäftigt den Ausschuss für urbane Landwirtschaft / Essbare Stadt. Schlagworte wie „Urban Agriculture“, „Urban Gardening“ werden dabei eine Rolle spielen, genauso wie die Frage nach mehr Gemeinschaftsgärten in der Stadt.

Dass regionale Lebensmittel auch im globalen Zusammenhang zu sehen sind, dafür will der Ausschuss Veranstaltungen zum Thema regionale, nachhaltige Ernährung sensibilisieren. Mit verschiedenen Veranstaltungsreihen will der Ausschuss außerdem für mehr Akzeptanz und Wertschätzung regionaler Lebensmittel werben.

Für mehr Wertschätzung regionaler Lebensmittel setzt sich schließlich auch der Ausschuss Ernährungsbildung und Schulverpflegung ein. Er wird sich unter anderem darum kümmern, dass Kinder möglichst früh mit Lebensmittelthemen und regionalen Lebensmitteln in Kontakt kommen.

Urbane Agrar- und Ernährungssysteme auf die Agenda setzen

Der Ernährungsrat in Köln wird nicht der einzige belieben. Berlin wird Köln in diesem Schritt folgen. Ankündigungen zufolge wollen Aktive bereits im April 2016 offiziell und formal ein „Ernährungsrat für eine zukunftsfähige Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik in der Region“ ins Leben rufen.

Diese Entwicklung zeigt: Urbane Agrar- und Ernährungssysteme rücken immer stärker in den Fokus. Nicht nur in Deutschland. So gehörten Köln, Frankfurt und Berlin im 2015 zu den fast 120 Städten, die den „Milan Urban Food Policy Pact“ unterzeichnet haben.

Mit ihrer Unterschrift unter die Mailänder Erklärung haben sich Stadtverantwortliche aus aller Welt zu einer nachhaltigen Entwicklung urbaner „Food Systems“ verpflichtet. Ein Aktionsrahmenplan im Zusammenhang mit der Erklärung enthält Vorschläge, wie die Ziele zu erreichen sind. Die Einrichtung eines Ernährungsrates („Food Policy Councils“) gehört ausdrücklich dazu.

Lesetipps

Zum Schluss noch ein paar Lesetipps: Einen kurzen Überblick zum Einstieg über das spannende Thema Ernährungsräte findet sich im Blog Speiseräume. Der Beitrag „Ernährungsräte: Lokal Ernährung gestalten“ beleuchtet Entwicklungen und Hintergründe.

Der erste Ernährungsrat nahm verschiedenen Quellen zufolge im US-amerikanischen Knoxville seine Arbeit auf. Wie es zur Gründung des „Food Policy Councils“ am Anfang der 1980er kam, schildert die Webseite Knoxfood (engl.).

Und wer es wissenschaftlich mag: Ein guten Übersichtsartikel über die Planung von „Food System“ im urbanen Kontext gibt es von: Pothukuchi, K., und Kaufman, J. L. (1999). Placing the food system on the urban agenda: The role of municipal institutions in food systems planning, Agriculture and Human Values 16: 213-224

(Foto: Quelle, Ernährungsrat, Monika Ewa Kluz)

Christian H. Meyer
Ich bin Christian H. Meyer. Hier im Blog schreibe ich über Themen und Ideen aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Coaching und Forschung. Und außerdem über das, was mich sonst noch interessiert. Wenn Ihnen dieser Beitrag gefällt, zögern Sie nicht, ihn zu teilen oder zu kommentieren. Fragen dazu beantworte ich gerne.

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