Nachhaltigkeit als Treiber für Innovationen

Die Entwicklung von Innovationen kommt heute nicht mehr an Aspekten der Nachhaltigkeit vorbei. Die Kommunikation spielt dabei eine wesentliche Rolle. Darauf müssen sich Unternehmen und Berater zunehmend einstellen. Doch was bedeutet Nachhaltigkeit konkret? Wo liegen die Chancen für die Entwicklung von Innovationen? Wie bewertet man Nachhalgkeit? Mit diesen Fragen setzt sich auch die Agrar- und Ernährungswirtschaft zunehmend auseinander. So auch jetzt im Osnabrücker ICO InnovationsCentrum. Dorthin hatten das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik e. V. (DIL), das INTERREG- Projekt FOOD 2020 und Quantis Deutschland am 26.04. eingeladen. Der Workshop zur „Nachhaltigkeit / Ökobilanzierung“ stieß auf reges Interesse bei den gut 30 Teilnehmenden.

Vergleichbarkeit von Lebenszyklusanalysen verbessern

Innovationen und Nachhaltigkeit
Workshop: Innovationen und Nachhaltigkeit

Welchen Einfluss ein Produkt auf Klima oder Umwelt hat, hängt von vielen Faktoren ab. Das machte Quantis Deutschland Geschäftsführer, Dr. Michael Spielmann, in seinem Einführungsvortrag deutlich. Er stellte dabei aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Lebenszyklusanalyse (engl. Life-Cycle-Assessment, LCA) in den Blickpunk und erläuterte, wie man sie für die Analyse der Umweltwirkungen eines Produktes einsetzen kann.

Spielmann betonte dabei die Bedeutung der Systemgrenzen für die Durchführung und Vergleichbarkeit der Lebenszyklusanalysen. Die Systemgrenzen seinen abhängig vom Ziel der Analyse und bestimmten ihren Rahmen, so Spielmann. Die Berücksichtigung oder das Weglassen bestimmter Prozessparameter oder –module könne auf das Ergebnis der Bilanzierung von Stoffflüssen und Umweltwirkungen großen Einfluss haben.

Daher, so führte Spielmann weiter aus, gäbe es Anstrengungen auf europäischer Ebene Branchenstandards für die LCA zu entwickeln. Ziel sei es, ihre Anwendbarkeit und die Vergleichbarkeit der Ergebnisse auf Grundlage wissenschaftlicher Methoden verbessern *).

Technologische Innovationen nur ein Hilfsmittel für Nachhaltigkeit

Im Anschluss an den Vortrag zur Lebenszyklusanalyse zeigte Prof. Dr. Stefan Töpfl, welchen Einfluss innovative Verfahren auf Energieverbrauch und Produktqualität haben können. Anhand von Beispielen aus der Technologieentwicklung machte der Leiter des Geschäftsbereichs Prozesstechnik am DIL seine Ausführungen anschaulich. Sein Fazit: „Technologische Innovationen können immer nur ein Hilfsmittel für mehr Nachhaltigkeit sein.“

Wie so etwas in der Praxis aussehen kann, erläuterte Karl Bärwinkel von der Firma RedArrow Handels GmBH in seinem Beitrag. Er stellte vor, wie industriell hergestellte Raucharomen in der Fleischverarbeitung zu Einsparungen von Ressourcen und Verminderung von Emissionen führen können. Zu den Vorteilen des Einsatzes von Raucharomen zählte Bärwinkel den niedrigeren Holzverbrauch für die Herstellung derselben Rauchmenge, die günstigere CO2-Bilanz des Verfahrens oder die Verringerung von Abwässern und Abfällen im Anwenderbetrieb.

Kreativität und ganzheitliches Denken gefordert

Nach einer kurzen Mittagspause hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit sich intensiv auszutauschen. Dabei bewies die 635- Kreativitätsmethode, dass sie sich nicht nur im Innovationsmanagement zur Sammlung von Problemlösungsansätzen eignet, sondern auch zu fruchtbaren Diskussionen anregt. In Kleingruppen erarbeiteten die Teilnehmenden aktuelle Trends und Anforderungen an das Nachhaltigkeitsmanagement. Innerhalb von fünf Minutenwaren musste jede gruppe drei Stichworte zur Nachhaltigkeit in den Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft auf einen Zettel schreiben. Die Ergebnisse wurden weitergereicht und die Diskussionen begannen auf dieser Grundlage von neuem.

Das Ergebnis der Gruppenarbeit kann zu folgenden Kernpunkten verdichtet werden:

  1. Nachhaltigkeit muss ganzheitlich betrachtet werden: Die ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekte müssen Berücksichtigung finden.
  2. Nachhaltigkeitsmanagement beginnt mit einer Positionsbestimmung: Wo steht das Unternehmen? Wo will es hin? Geeignete Steuerungsinstrumente leiten daraus ab.
  3. Standards und Nachhaltigkeitschecks sollen Fakten liefern, auf deren Grundlage Nachhaltigkeit vergleichbar und handhabbar gemacht werden kann. (Motto: „Was man nicht messen kann, kann man auch nicht managen“)
  4. Kommunikation ist ein zentraler Aspekt des Nachhaltigkeitsmanagements: Dabei ist die interne Kommunikation innerhalb eines Unternehmens bzw. einer Organisation ebenso wichtig wie die Kommunikation mit externen Anspruchsgruppen, wie Lieferanten, Kunden oder Öffentlichkeit. Grundlage dafür ist ein einheitliches Verständnis des Nachhaltigkeitsbegriffes. Dieses sollte über alle Kommunikationskanäle beibehalten werden.
  5. Nachhaltigkeit fördert soziale Innovationen und neue Geschäftsmodelle: Ein Beispiel dafür sind die aufkommenden Unverpackt-Initiativen, die auf aus einer Reaktion auf den Ressourcenverbrauch durch Verpackungen entstehen.

Fazit: Kommunikation für das Nachhaltigkeitsmanagement wesentlich

Dass die Themen Innovationen und Nachhaltigkeit auf breites Interesse stoßen hat der Workshop sehr anschaulich vermittelt. Von den spannenden Vorträgen und Diskussionen haben sicherlich alle Teilnehmer etwas mitnehmen können – nicht nur die vielen Studierenden, die dort waren, sondern auch die Vertreter und Vertreterinnen der Unternehmen.

Dabei ist das Thema Nachhaltigkeit nicht nur ein Thema, um den Umsatz zu steigern. Durch technologische und soziale Innovationen bzw. innovative Geschäftsmodelle können Ressourcen geschont und Kosten gespart werden. Kommunikation ist dabei ein zentraler Aspekt – die interne ebenso wie die externe. Sie ist der Schlüssel für ein einheitliches Verständnis von Nachhaltigkeit.

Insgesamt haben die Gespräche und Diskussionen gezeigt, wie verschieden das Verständnis von Nachhaltigkeit doch noch ist. Die Beschäftigung mit Thema steht manchmal noch ganz am Anfang, manchmal ist schon ein gutes Stück des Weges gegangen.

*) Die Ziele der europäischen Initiative sind unter anderem enthalten in der „Mitteilung der Kommission zur Schaffung eines Binnenmarktes für grüne Produkte – Erleichterung einer besseren Information über die Umweltleistung von Produkten und Organisationen“ (COM/2013/0196).

Christian H. Meyer
Ich bin Christian H. Meyer. Hier im Blog schreibe ich über Themen und Ideen aus den Bereichen Innovation, Coaching und Forschung. Und außerdem über das, was mich sonst noch interessiert. Wenn Ihnen dieser Beitrag gefällt, zögern Sie nicht, ihn zu teilen oder zu kommentieren. Fragen dazu beantworte ich gerne.

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