Was ist ein System? Die Systemdefinition gibt Antworten

Systeme sind spannend und die Beschäftigung damit lohnt sich. Denn wir leben in Systemen und mit Systemen. Es gibt Ökosysteme, soziale Systeme, Wirtschaftssysteme, Verkehrssysteme, biologische Systeme und so weiter und so fort. Das dürfte vielleicht bekannt sein. Weniger bekannt ist vielleicht, dass Systemkompetenz auch eine der Kompetenzen ist, die in der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) vermittelt werden soll. In diesem Blogbeitrag stelle ich die Systemdefinition von Donella Meadows in den Fokus. Darauf aufbauend erläutere ich für Systemeinsteiger*innen, wie man die Definition anwenden kann und worauf man achten sollte.

Systemdefinition nach Donella Meadows

Systemische Coaching-Ansätze berücksichtigen das Umfeld und die Beziehungen, in die Menschen eingebettet sind. Sie haben ihre Ursprünge häufig in den Erkenntnissen der Systemtheorie. Aber Systemtheorie und Systemdenken spielen nicht nur im Coaching eine Rolle. Auch bei Entscheidungen im Unternehmen oder zur Beantwortung von gesellschaftlichen Zukunftsfragen können sie maßgeblich beitragen.

So komplex und kompliziert Systemtheorie und Systeme auch sein können, die Definition eines Systems fällt dagegen fast schon anschaulich aus:

„Ein System besteht aus Elementen, den Verbindungen zwischen ihnen und einem Zweck oder einer Funktion.“

(D. Meadows, 2001)

So knapp hat beispielsweise die amerikanische Wissenschaftlerin Donella H. Meadows ein System definiert. Sie gehört zu den zielzitierten Systemdenker*innen und war unter anderem Mitautorin der Studie „Die Grenzen des Wachstums“, die in den 1970ern für großes Aufsehen gesorgt hat.

Aber warum ist die Definition eines Systems so wichtig? Nun, sie hilft dabei, zu unterscheiden, was ein System ist und was nicht. Sie hilft aber auch dabei festzulegen, was zu einem System gehört und was sich außerhalb der Systemgrenzen befindet. (Achtung Spoiler: Auch mit der Definition von System ist diese Festlegung nicht immer ganz einfach.)

Systemdefinition: Was gehört zum System und was nicht?

Ein Beispiel für ein (technisches) System ist ein Toaster (vgl. Kim, 1999). Die einzelnen Teile des Geräts (Gehäuse, Heizstäbe, Stromanschluss, Toasthalter etc.) sind miteinander verbunden und stehen in Wechselwirkung zueinander. Die Funktion des Toasters, bzw. sein Zweck ist es, Brotscheiben an der Oberfläche leicht zu rösten. Ein Toaster erfüllt damit die Voraussetzungen der Systemdefinition (Teile, Verbindungen, Zweck).

Aber die Systemdefinition gilt nicht nur für technische Systeme. Das heißt: Die Systemdefinition von Donella Meadows kann auch bei sozialen Systemen angewendet werden. Eine Familie beispielsweise kann ein soziales System sein. Aber auch eine Fridays for Future Gruppe oder ein Wirtschaftsunternehmen können als soziale Systeme beschrieben werden.

Die Elemente dieser Gruppen lassen sich verhältnismäßig leicht und klar abgrenzen. Es sind die jeweiligen Gruppenmitglieder. Die Verbindung zwischen ihnen wird dabei durch Kommunikation, den Fluss an Information und geltenden Regeln und Normen hergestellt.

Ein Beispiel aus dem Teamsport macht das deutlich : Im „System Fußballmannschaft“ weiß jedes Teammitglied auf Grundlage der geltenden Spielregeln, welchen Handlungsspielraum es hat und dass nur ein*e Torwart*in im laufenden Spiel den Ball mit der Hand berühren darf oder was Abseits ist.

Die Laufwege des Balls, die Pässe und Flanken stellen weitere Verbindungen zwischen den Teammitgliedern her, genauso wie die Anweisungen des Trainerstabs oder die Kommunikation innerhalb des Teams. Dadurch ist das System während eines Spiels immer wieder in der Lage, sich den Erfordernissen und veränderten Spielverläufen anzupassen.

Nicht ganz so leicht zu bestimmen: Der Zweck oder die Funktion eines Systems

Meistens sind die einzelnen Systemteile (s. Toaster) oder Akteure (s. Fußballteam) leicht zu ermitteln. Auch die Verbindungen sind häufig klar, wenn auch nicht immer ganz offensichtlich. Schwieriger kann die Bestimmung des Zwecks oder der Funktion eines Systems sein.

Bei der Analyse des Systemzwecks, muss man daher schauen, wie sich ein System verhält. Donella Meadows stellt dazu fest: „Der Zweck eines Systems wird aus seinem Verhalten abgeleitet und nicht aus seiner Rhetorik oder seinen erklärten Zielen.“ Es gilt also: Taten sagen mehr als Worte.

Ein Profi-Fußballteam beispielsweise hat in der Regel den Zweck, Spiele und Meisterschaften zu gewinnen, um Geld zu verdienen. Eine Freizeit- oder sogenannte Thekenmannschaft will dagegen vielleicht nur Spaß und etwas Bewegung. Entsprechend unterschiedlich fallen Trainingspläne, Fitnesslevel und Spieltaktiken der Teams aus.

Sytemanalytiker*innen schauen also, wie sich ein System verhält und sie stellen entsprechende Forschungsfragen. Und das in ganz unterschiedlichen Bereichen wie Sport, Coaching, Wirtschaft oder Wissenschaft. Warum sind manche Fußballteams erfolgreich und manche nicht? Warum gibt es in einigen Familien ganz offensichtliche Schwierigkeiten? Und warum treten sie in manchen Familien nur unterschwellig auf? Warum werden immer weniger Insekten in Deutschland gezählt und warum gehen die Landwirte für bessere Preise auf die Straße?

Fazit: Systemdefinition – Von relativ einfach bis ganz schön komplex

Ich hoffe, meine Ausführungen machen klar, wie vielfältig Systeme daherkommen können und wie man sich ihnen mit der Systemdefinition nähern kann. Das Verständnis eines Systems ist zum Beispiel besonders dann wichtig, wenn man plant, ein System zu verändern oder Veränderungen daran vorzunehmen (à Veränderungsmanagement).

Man muss also herausfinden, was ein System ausmacht. Welche Elemente es umfasst, wie sie zusammenhängen und warum sie das tun, was sie tun. Ganz gleich, mit welcher Art von Systemen wir uns beschäftigen. Wie gesagt: Nicht umsonst ist die Systemkompetenz einer der Schlüsselkompetenzen für die nachhaltige Entwicklung. Und die Kenntnis der Systemdefinition von Donella Meadows ist ein erster Schritt in diese Richtung.

Referenz

Meadows, D. H. (2008). Thinking in Systems. A Primer. Hrsg.: Diana Wright. Earthscan, London

Kim, D. (1999). Introduction to Systems Thinking. Online. Aufruf 20.02.2021

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