Das persönliche soziale Netzwerk aktiv entwickeln

Ein persönliches soziales Netzwerk, das es einen dabei unterstützt, die eigenen Ziele zu erreichen. Das ist eine Ressource, die gut gepflegt und entwickelt werden sollte. Kein Problem, wenn man an ein paar Dinge denkt, die dabei helfen, die „Beziehungen spielen zu lassen“. In diesem Beitrag geht es um einige Grundlagen des Netzwerkens bzw. des Networkings. Und außerdem um die grundlegenden Fragen: Warum networken? Kann man Netzwerken lernen? Und: Was ist beim Networking zu beachten?

Beim Networking nicht nur an die Karriere denken

Netzwerke haben viele Formen
Netzwerke haben viele Formen

Wer man heute von Networking oder Netzwerken hört oder liest, ist häufig das berufs- und karriereorientierte Networking (auch: Business Networking) gemeint. In diesem Sinne des Netzwerkens geht es demnach auch hauptsächlich um Karriereziele. Die häufig mit dem Business Networking verbundene Hoffnung ist es, von Jobs oder Karrieremöglichkeiten zu erfahren, die nicht per Stellenanzeige ausgeschrieben sind.

Aber Karriereziele zu verfolgen, ist nur ein Grund für das Networking. Es gibt viele mehr: Sozialen Anschluss am neuen Wohnort finden, jemanden zu haben, der einspringt, wenn die „Kita mal wieder streikt“ oder es im Büro später wird. Auch die Lebenszufriedenheit kann vom Netzwerken beeinflusst werden. Es gibt Studien, die zeigen, dass sich selbst Glück und Wohlbefinden über Netzwerke verbreiteten können. Aus diesem Gründen fasse ich die Begriffe des sozialen Netzwerks und des Networkings weiter. Ich beschränke sie nicht nur auf das Karrierenetworking.

Auch die Zusammenhänge betrachten

Aktives Networking, d. h. der Aufbau und die Pflege von Beziehungen erfordert Zeit. Wie schnell sich Ziele erreichen lassen, hängt also in großem Maße davon ab, wie das soziale Netzwerk bereits geknüpft ist und wie es weiterentwickelt wird. Auch wenn jedes soziale Netzwerk einzigartig ist, eins ist bei allen Netzen gleich. Sie bestehen aus Menschen und den Beziehungen dieser Menschen zueinander. Dabei spricht man von starken, schwachen und schlummernden Beziehungen. Sie können von großem Nutzen sein.

Die beiden Wissenschaftler N. A. Christakis und J. H. Fowler weisen in ihrem Buch „Die Macht sozialer Netzwerke“ (engl. „Connected“) noch auf einen weiteren Aspekt hin. Sie argumentieren, dass es neben dem Beziehungsaspekt des Netzwerks auch noch einen Übertragungsaspekt gibt. Dieser beschäftigt sich damit, wie beispielsweise Informationen, Geld, Ideen, Zufriedenheit oder ähnliches sich im Netzwerk verbreiten. Ein für die Netzwerkanalyse nicht unerheblicher Punkt. Wer also lernen will, wie man „richtig“ netzwerkt, sollte sich sowohl mit den Beziehungsaspekten als auch mit den Übertragungsaspekten des Netzwerkens beschäftigen.

Aktives Networking beginnt mit einem Ziel und Haltung

Viele Verzweigungen formen das Netzwerk
Viele Verzweigungen formen das Netzwerk

Über die motivierende und effizienzsteigernde Wirkung von Zielen und die SMART-Formel habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben. Beim Networking geht es jedoch nur bedingt um Effizienz, es geht vielmehr darum, Beziehungen und Übertragungswege zu anderen Menschen zu zielgerichtet zu aktivieren.

Deshalb sollte einer der ersten Schritte des Netzwerkes auch die Zieldefinition sein. Fragen, die dabei helfen lauten: Wobei soll das Netzwerk genau unterstützen? Woran kann man erkennen, dass das Ziel erreicht ist? Geht es eher um den Austausch mit Gleichgesinnten? Oder stehen neue Ideen oder neues Wissen im Fokus?

Von den Antworten auf diese Fragen hängt ab, wie das Netzwerk zu entwickeln ist und welche Beziehungen und Übertragungswege dabei hilfreich sind. Das Gute ist: In den seltensten Fällen muss man mit dem Netzwerken bei null anfangen. Jeder mir bekannte Mensch hat nämlich bereits ein persönliches Netzwerk: Kein Mensch ist eine Insel!

Das persönliche soziale Netzwerk analysieren

Bei der Netzwerkanalyse kann man zwei Formen unterscheiden. So kann man sich einerseits ein Gesamtnetzwerk ansehen (Hier ein Beispiel für ein Twitter-Netzwerk) oder die Netzwerkzusammenhänge aus der Perspektive eines einzelnen Mitglieds, die sogenannte ego-zentrierte Netzwerkanalyse.

Im Coaching gibt es eine Reihe von Tools zur Analyse von ego-zentrierten sozialen Netzwerken. Eins davon ist das Soziale Atom nach J. L. Moreno. Es kann auf vielfältige Weise eingesetzt werden und liefert erste gute Einblicke in die Beziehungsstruktur eines persönlichen Netzwerkes. Die Stärke des Verfahrens liegt darin, sich die Beziehungen der Netzwerkmitglieder zu veranschaulichen. Allein oder im Gespräch mit einem Coach lassen sich wichtige Zusammenhänge oder Ressourcen entdecken.

Um für das persönliche Netzwerk eine ausreichend große Zahl an Personen zu finden, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ein Blick in das eigene – sofern vorhandene – Xing- oder Facebook-Profil und eine Liste mit Namen ist schnell vorhanden.

Mit Hilfe von Fragen nach bestimmten Menschen und Beziehungstypen, den sogenannten Namensgeneratoren, kann diese Liste einfach sortiert und ergänzt werden. Einige Beispiele für Namensgeneratoren sind: Welche Menschen würden Sie bitten, im Urlaub auf das Haus aufzupassen? Welche Menschen würde ich um beruflichen/persönlichen Rat gebeten? Von wem würden Sie sich Geld leihen? Welche Menschen könnte ich ohne zu überlegen, auch nach Feierabend, um eine Auskunft bitten? Dieser erste Schritt sollte schon einen guten Aufschluss über das vorhandene persönliche soziale Netzwerk liefern.

Eine Networking-Strategie festlegen

Nachdem das Networking-Ziel feststeht und das persönliche Netzwerk auf Ressourcen und Beziehungsqualität hin untersucht ist, können konkrete Schritte eingeleitet werden. Das heißt ruhende Beziehungen können aktiviert werden, schwache Beziehungen gestärkt werden und so weiter. Auch Lücken im Ego-Netzwerk sind vielleicht schon erkannt worden. Sie können jetzt gezielt geschlossen werden.

Eine wertschätzende und vertrauensvolle Haltung gegenüber Mitmenschen erleichtert das Netzwerken. Wie man dabei jedoch am besten vorgeht, ist im Wesentlichen abhängig von der eigenen Persönlichkeit und der Netzwerkkultur in der man sich bewegt. Introvertierte und stille Menschen werden anders Netzwerken als extrovertierte. Das liegt schon in der Natur der Sache.

Egal für welche Strategie man sich jedoch entscheidet. Sie sollte authentisch, wertschätzend und auf Langfristigkeit angelegt sein. Das Netzwerk ist kein Selbstbedienungsladen. Beim Networking geht es ums Nehmen und Geben sowie die Qualität der Beziehungen.

Fazit

Aktives Netzwerken, also das Aktivieren, Entwickeln und die Pflege von Beziehungen hält viel Gutes bereit. Die Grundlage dafür ist bereits vorhanden: Die Menschen um uns herum. Sie bilden unser (potentielles) Netzwerk.

Wer lernen will, wie man netzwerkt, sollte nicht lange überlegen, sondern einfach anfangen. Zu den ersten Schritten gehört, das Ziel zu bestimmen und das Netzwerk auf bereits vorhandene Beziehungen und Ressourcen zu prüfen. Coaching-Tools wie das Soziale Atom von Moreno können dabei helfen. Die Strategien für das Networking lassen sich auf diesen Erkenntnissen aufbauen. Wie man allerdings konkret vorgehen will, ist von der Persönlichkeit, der Kulutr und dem Kontext abhängig.

Alles in allem ist Netzwerken jedoch eine Sache, die viel Spaß machen kann – auch für Menschen, die sich selbst als still bezeichnen. Gerade sie zeichnen sich oft durch eine wertschätzende und emphatische Haltung ihren Mitmenschen gegenüber aus. Für die Beziehungspflege sicherlich keine schlechten Eigenschaft.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Netzwerken gemacht? Teilen Sie Ihre Gedanken in den Kommentaren. Andere Menschen können davon profitieren.

Christian H. Meyer
Ich bin Christian H. Meyer. Hier im Blog schreibe ich über Themen und Ideen aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Coaching und Forschung. Und außerdem über das, was mich sonst noch interessiert. Wenn Ihnen dieser Beitrag gefällt, zögern Sie nicht, ihn zu teilen oder zu kommentieren. Fragen dazu beantworte ich gerne.

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