Mit Concept Mapping den Lernerfolg steigern und Wissen strukturieren

Concept Mapping

Concept Mapping ist eine Methode, mit der man Wissen strukturieren und vernetzen kann. Das hilft beim Lernen und steigert den Lernerfolg. Concept Maps können aber auch dazu dienen, über bestimmte Zusammenhänge nachzudenken und darüber ins Gespräch zu kommen. Das ist besonders dann nützlich, wenn es um komplexe Systemzusammenhänge geht. Das macht die Methode auch für die Themen Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung interessant. Denn gerade in diesen Bereichen ist die Fähigkeit, vernetzt und in Systemen zu denken, sehr dienlich. Ein Grund, warum ich mir Concept Mapping einmal angesehen habe und die Methode hier vorstelle.

Concept Mapping – Hintergrund und Anwendung

Auf Deutsch heißt „Concept Map“ so viel wie Begriffslandkarte (von „Concept“ auf dt. „Begriff“ und „Map“ auf dt. „Landkarte“). Der amerikanische Wissenschaftler Joseph Donald Novak hat die Methode maßgeblich entwickelt und in den 1970ern entscheidend geprägt. Seitdem ist sie Gegenstand zahlreicher Untersuchungen und Forschungsarbeiten, die ihre positive Wirkung auf den Lernerfolg in vielen Bereichen herausgestellt haben.

Im Wesentlichen dient Concept Mapping dazu, Wissen und Wissenszusammenhänge zu strukturieren, in einen Kontext zu bringen und diesen zu visualisieren. Einen verbreiten Einsatz hat die Begriffslandkarte daher auch beim Lernen und Lehren, sowohl in der Schule als auch in der Hochschule. Die Methode ist aber auch für Weiterbildungs- und Trainingsformate interessant.

Die Theorie, auf der die Methode aufbaut, beruht auf der Annahme, dass Wissen nicht durch Auswendiglernen aufgebaut wird, sondern durch verstehendes, sinnvolles bzw. bedeutungsvolles Lernen (engl. „Meaningful Learning“). Das ist eine Art des Lernens, bei der sich die Lernenden aktiv mit dem Lernstoff auseinandersetzen und darüber reflektieren.

Bei der Arbeit mit der Begriffslandkarte geschieht genau das: Lernende müssen Begriffe definieren, einordnen, in Beziehung setzen und miteinander auf sinnvolle Weise vernetzen. Die Arbeit in Gruppen ist dafür gut geeignet. Das gemeinsame „Darüber-Reden“ fördert den Lernerfolg noch nachhaltiger.

Aufbau und Struktur einer Concept Map

Eine Concept Map bzw. eine Begriffslandkarte ist eine grafische Darstellung. Sie besteht aus Begriffen und den durch Pfeile und Linien dargestellten Beziehungen (Relationen) der Begriffe zueinander. Die Linien oder Pfeile sind in der Regel beschriftet, um die Zusammenhänge der jeweiligen Begriffe kenntlich zu machen. Dadurch entstehen sinnvolle Begriffs-Einheiten, die sogenannten „Propositions“. Diese sind die Bausteine, aus denen die Concept Map aufgebaut ist.

Concept Maps haben gewisse Ähnlichkeiten mit Mind-Maps in Aussehen und Wirkungsweise. Allerdings unterscheiden die Concept Maps sich auch in wesentlichen Gesichtspunkten von den Mind-Maps. Bei einer Mind-Map steht das zentrale Thema in der Mitte der Darstellung. Darauf bezogene Themenbereiche und Unterbegriffe verästeln sich davon ausgehend und bilden die Arme der Mind-Map. Mind Maps gelten auch als Kreativitätstechnik.

Bei einer Conzept Map stehen die Beziehungen und Zusammenhänge der Begriffe im Fokus. Dadurch erhält die Concept Map häufig eine eher netzartige Struktur (s. Abbildung 1). In der Literatur findet man daher auch die Bezeichnung Begriffsnetz. Ein solches Begriffsnetz zu erarbeiten, erfordert aber nicht weniger Kreativität.

Eine Concept Map kann unterschiedliche Strukturen und Formen annehmen.
Abbildung 1: Concept Maps, bzw. Begriffsnetze können verschiedene Formen und Strukturen annehmen. Sie können kreisförmig, hierarchisch-baumartig oder netzartig sein. Manche haben auch Ähnlichkeiten mit Mind-Maps (Quelle: nach Yin et al., 2005).

Aber wie so oft gilt: Die Form folgt der Funktion, so dass Concept Maps ganz unterschiedliche Formen annehmen können (s. Abbildung 1).

Wie erstellt man eine Concept Map?

Es gibt unterschiedliche Arten und Weisen, eine Concept Map bzw. eine Begriffslandkarte zu erstellen. Mit einem Stift auf einem Blatt Papier, an der Pinnwand oder aber am Computer mit entsprechender Software. Allein oder in der Gruppe. Die grundlegenden Regeln bleiben stets gleich.

Die nachfolgende Anleitung ist orientiert an Novaks (2008) vielzitierter Veröffentlichung zum Concept Mapping. Ich habe die Beschreibung lediglich um eigene Anmerkungen und Anregungen ergänzt.

Schritt 1.: Kontext schaffen mit der Fokusfrage

Novak empfiehlt, zu Beginn des Mappings einen Kontext, d. h. einen Rahmen vorzugeben, der die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Fragestellung lenkt. Gerade Personen, die im Concept Mapping noch ungeübt sind, profitieren davon, weil die Gedanken beim Thema bleiben und nicht abschweifen.

Lehrende oder Gruppenmoderator*innen können diesen Kontext schaffen, indem sie ein für die Lernenden bekanntes Thema vorgeben oder eine entsprechende Fokusfrage formulieren. Die Fokusfrage wird dann mit Hilfe der Begriffslandkarte beantwortet.

Fokusfragen können sich sowohl auf die Klärung von Fachwörtern oder Konzepten beziehen („Was ist ein Atom?“), als auch auf Zusammenhänge und Dynamiken („Welche Auswirkungen haben wiederholte Dürren in Deutschland auf die Nahrungsmittelversorgung?“). Weitere Beispiele für Fokusfragen mit Bezug zum Thema Nachhaltigkeit sind:

  • Welche Bedeutung haben die Ziele der nachhaltigen Entwicklung?
  • Was ist soziale Nachhaltigkeit?
  • Wie funktioniert ein Ökosystem?
  • Was passiert, wenn die Menschen in Deutschland weniger Fleisch essen?

Die dynamischen Fragen können auch den Kontext für Szenarioworkshops bilden. Die Concept Maps mit ihren vernetzten Systemzusammenhängen, die daraus entstehen, bilden dabei die Ausgangsbasis für die Entwicklung der verschiedenen Zukunftsszenarien.

Schritt 2.: Wichtige Begriffe sammeln

Wenn Kontext und Fokusfrage klar bestimmt, beginnt man, wichtige Begriffe zu sammeln. Diese sollen eng im Zusammenhang mit der Fokusfrage stehen und diese bestmöglich beantworten.

In einem Workshop oder im Unterricht ist es der Moderation bzw. der Lehrkraft überlassen, ob sie die Begriffe vorgeben will oder ob die Teilnehmenden oder Lernenden diese selbst erarbeiten. Beides ist möglich. Vorträge, Videos, kurze Texte oder andere Informationsquellen geben notwendige Impulse oder das Basiswissen für die Begriffssammlung vor.

Egal welchen Weg man bei der Sammlung von Begriffen auch einschlägt: Insgesamt sollte man in Abhängigkeit des Themas und seines Umfangs auf rund 15 bis 25 zentrale Begriffe kommen. Wer die Begriffe auf Kartei- oder Moderationskarten schreibt, kann sie beim Anordnen später leichter verschieben.

Ich habe für das Beispiel unten die Begriffe zum Thema BNE auf einer PowerPoint-Folie gesammelt und entsprechend sortiert.

Schritt 3: Eine vorläufige Concept Map erstellen

Die Begriffsliste aus Schritt 2 bildet die Grundlage für die nächsten Aufgaben.

Novak empfiehlt, die Concept Map von oben nach unten aufzubauen. Dazu sortiert man die gesammelten Begriffe und erstellt daraus eine Rangfolge. Oben auf der Liste stehen die allgemeinen und umfassenden Oberbegriffe (z. B. „Ökosystem“ oder „Fleischkonsum“). Am Ende der Liste die spezifischen und am wenigsten allgemeinen Begriffe (z. B. „Frosch“ oder „Schnitzel“). Es sind aber auch Begriffslandkarten denkbar, die diesem Muster nicht folgen.

Für die analoge, d. h. für die nicht am Computer erstellte Concept Map breitet man die auf Karten gesammelten Begriffe auf einer Unterlage oder an einer Pinwand aus. Dann verschiebt man sie solange hin und her, bis sich eine zusammenhängende logische Struktur ergibt.

Beschriftete Linien und Pfeile stellen die Verbindung zwischen den Begriffen her. Die Beschriftung macht dabei Aussagen, wie die Begriffe jeweils zusammenhängen. Nicht alle Begriffe müssen verwendet werden. Wenn einige der Begriffe auf der Sammelliste stehen bleiben, weil sie nicht in die Begriffslandkarte eingeordnet werden können, dann ist das auch OK.

Tipp: Wenn wichtige Begriffe fehlen oder Zusammenhänge nicht ausreichend erläutert werden können, deutet das auf Wissenslücken hin oder spannende Forschungsfragen, die mit Hilfe der Concept Map aufgedeckt werden.

Schritt 4: Suche nach Querverbindungen

In diesem Schritt sucht man nach Querverbindungen zwischen Begriffen und verschiednenen Bereichen der Concept Map. Gerade bei komplexeren Begriffslandkarten vernetzen sich dadurch Wissen und Strukturen über verschiedene Themen und Wissensfelder hinweg. Dadurch verknüpft sich das Begriffsnetz immer weiter.

Schritt 5: Revision der Concept Map

Wer Concept Maps erstellt und sie als Lernstrategie einsetzt, um sich ein Thema zu erarbeiten, kann seine Begriffslandkarte immer weiter überarbeiten und erweitern. Die Zahl der Überarbeitungen ist nicht begrenzt. Eine Concept Map ist daher niemals richtig fertig.

Cañas et al. (2016) geben jedoch einige Hinweise, wie groß und umfangreich eine Concept Map sein kann. Zu den Kriterien gehören u. a.:

  • Die Concept Map sollte die Fokusfrage beantworten.
  • Die enthaltenden Begriffe, sollten relevant sein.
  • Die Map sollte so präzise wie möglich sein. Unnötige Begriffe sollten entfernt werden.
  • Das Begriffsnetz sollte nicht zu komplex sein. Unnötige Querverbindungen sollten ebenfalls entfernt werden.
  • Zu komplexe Begriffslandkarten erschweren die Kommunikation darüber.

Ein Beispiel: Eine Concept Map zum Thema BNE

Nach der Anleitung oben habe ich eine Begriffslandkarte zum Thema BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) erstellt. Der zugrunde liegende Text stammt aus dem BNE-Portal der Deutschen UNESCO-Kommission. Er steht dort zum Nachlesen zur Verfügung (Stand 07/2020).

Der Text selbst ist bereits angereichert mit Schlüsselbegriffen der nachhaltigen Entwicklung. Diese habe ich zunächst im Text markiert, auf eine PowerPoint-Folie übertragen und dann zu einer Concept Map weiterentwickelt. Das Ergebnis ist in Abbildung 2 dargestellt.

Eine Concept Map zum Thema BNE
Abbildung 2: Ein Beispiel für eine Concept Map. Die zugrunde liegende Fokusfrage lautet „Was ist BNE?“

Anmerkungen dazu können gerne in die Kommentare geschrieben werden.

Fazit

Concept Maps bzw. Begriffslandkarten oder Begriffsnetze regen das Lernen an und das Nachdenken über das eigene Wissen. Concept Mapping funktioniert durchaus allein im Studierzimmer, vielversprechend sind aber auch Concept Maps, die in Gruppenarbeit entwickelt werden.

Für mich ist bei dieser Methode ausschlaggebend, dass sie nicht nur positiv auf das Lernen und den Lernerfolg wirkt, sondern auch das vernetzte Denken und das Systemdenken schulen kann.

Gerade diese Kompetenz ist zentral, um Auswirkungen des eigenen Verhaltens auf Umwelt und Zukunft zu reflektieren und um verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Nicht umsonst gehört diese Kompetenz zu den Schlüsselkompetenzen der nachhaltigen Entwicklung. Das ist mir auch nochmal klar geworden, als ich die Begriffslandkarte oben erstellt habe.

Und jetzt viel Spaß bei der Arbeit damit.

Referenzen

Novak, Joseph D., Cañas, A. J. (2008). The Theory Underlying Concept Maps and How to Construct and Use Them. Technical Report IHMC CmapTools 2006-01 Rev 01-2008, Florida Institute for Human and Machine Cognition

Cañas, A. J., Reiska, P., Novak, J. D. (2016). Is My Concept Map Large Enough? In: Innovating with Concept Mapping, 7th International Conference on Concept Mapping, CMC 2016, Tallinn, Estonia, September 5-9, 2016, Proceedings, Springer

Yin, Y., Vanides, J., Araceli Ruiz-Primo M., Ayala, C. C., Shavelson, R. J. (2005). Comparison of Two Concept-Mapping Techniques: Implications for Scoring, Interpretation, and Use, Journal of Research in science Teaching Vol. 42, No. 2

Christian H. Meyer
Ich bin Christian H. Meyer. Hier im Blog schreibe ich über Themen und Ideen aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Coaching und Forschung. Und außerdem über das, was mich sonst noch interessiert. Wenn Ihnen dieser Beitrag gefällt, zögern Sie nicht, ihn zu teilen oder zu kommentieren. Fragen dazu beantworte ich gerne.

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